Bel Veder

Ich las über dieses Buch in der Zeitung. Ein Schweizer (genauer gesagt Interlakner) Autor, der einen Gruselroman verfasst hat? Dazu klang der Klappentext äusserst vielversprechend.

Natürlich musste ich dieses Buch lesen und ich wurde nicht enttäuscht. Zwar ist es nicht wirklich ein Gruselroman – zumindest nicht während den ersten 350 Seiten. Es gibt einige gruselige Passagen, doch diese spielen nur eine untergeordnete Rolle.

Trotzdem bereitete mir Bel Veder viel Spass und ich kann das Buch nur weiterempfehlen. Wenn du allerdings eine Lektüre suchst, welche dir das Blut in den Adern gefrieren lässt, dann ist Bel Veder von Mirko Beetschen nicht das richtige Buch für dich. Alle, die einen schön geschriebenen, historischen Roman mit nuancierten Charakteren suchen und sich ab der düsteren Gruselgeschichte nicht stören, werden mit Bel Veder ihre Freude haben!

Buchumschlag, Einband zum Buch Bel Veder von Mirko Beetschen. Rezension, Bewertung und Zusammenfassung.

Mein Fazit

Ich bewerte dieses Buch mit 7,5/10 Punkten. Die Handlung ist spannend, und die Personen glaubwürdig, doch die Verwendung der Gruselelemente lässt zu wünschen übrig.

Der Autor

Mirko Beetschen ist ein Schweizer Autor aus Interlaken im Kanton Bern. Er studierte Englische nd Amerikanische Literatur, sowie Medienwissenschaften und Englische Sprachwissenschaften. Bel Veder ist erst sein zweiter Roman.

Zahlen & Fakten

Seiten: 443

Verlag: Zytglogge

Herausgabedatum: 18.09.2018

ISBN: 978-3729609976

 

Wenn du das Buch kaufen möchtest, dann klicke hier:

Hierbei handelt es sich um einen Affiliate-Link!


Meine Rezension (Achtung Spoilers!)

Bel Veder ist keine klassische Gruselgeschichte. The Haunting of Hill House von Shirley Jackson steht momentan in meinem Bücherregal und wartet darauf gelesen zu werden. Einen solchen Roman kann man als Klassiker der Gruselliteratur bezeichnen. Bel Veder versucht zwar sich in diesem Genre zu integrieren, doch dies ist – meiner Meinung nach – nicht vordergründig. Darauf werde ich später genauer eingehen.

 

 

 

In Bel Veder reist Eleanor von Amerika in die Schweiz, um an der Testamentseröffnung ihres verstorbenen Grossvaters teilzunehmen. Dazu reist sie auf die Finsteralp ins verlassene Hotel Bel Veder und trifft dort einige ihrer Verwandten. Victor – ihr Cousin – mit seiner Verlobten Claire, sowie Margrit – ihre Cousine. Später reisst ebenfalls ihr Freund und Psychiater Allen aus Amerika an. Nun wartet die Zwecksgemeinschaft im Hotel auf die Testamentseröffnung. Als Allen bei einem Unfall stirbt und Eleanor überzeugt davon ist, dass Claire ihn umgebracht hat, eskaliert die Situation.

 

 

 

Das Buch ist interessant aufgebaut und folgt hauptsächlich Eleanor. Allerdings wirft der Autor ab und zu Tagebucheinträge von Margit, sowie Briefe von Claire ein, was dem Leser erlaubt, die Situation aus anderen Perspektiven wahrzunehmen. Dies schafft eine interessante Dynamik, wobei ich ab und zu etwas enttäuscht war, von der Art, wie Mirko Beetschen diese Elemente nutzte. Um dies zu untermauern, folgendes Beispiel: Eines Abends beim Abendessen gibt es einen Stromausfall. Victor und Claire begeben sich sofort in den Keller, um nach dem Rechten zu sehen. Dabei bleiben Eleanor und ihre Cousine Margrit allein zurück. Um Margrit, die panische Angst vor dem Dunkel hat, zu beruhigen, zeigt ihr Eleanor ein Fenster. Als dort plötzlich eine Gestallt zum Vorschein kommt, geraten die Beiden beinahe in Panik.

 

 

 

Dieses Ereignis passt gut zusammen mit dem alten Mann, welcher Eleanor zuvor zum Hotel verfolgt hat. Dadurch wird das Mysterium dieses Mannes weiter vertieft und ich als Leser will noch mehr herausfinden, was los ist. Später wird aus einem Brief von Claire ersichtlich, dass sie sich einen Mantel angezogen hatte und nach draussen schlich, um die Beiden zu erschrecken.

 

Diese Enthüllung fand ich sehr schade, und sorgte bei mir sogar dafür, dass mein Lese-Elan etwas an Motivation einbüsste.

 

Dabei baute Mirko Beetschen durchaus eine stimmige Atmosphäre auf. Durch Eleanors «Krankheit» weiss der Leser nie richtig, ob das Erlebte echt ist, oder ob sich Eleanor alles nur einbildet. Auch die anderen Figuren bleiben lange ein Rätsel und ihre Absichten verborgen.

 

 

 

Dies schafft eine Stimmung des Unwissens und lässt den Leser weiterlesen, da er ja wissen will, wie die Sache am Schluss aufgeht.

 

Der Schluss hat mir sehr gut gefallen. Der Autor baute nochmals sämtliche Gruselelemente in die Geschichte ein und ich las die letzten 70 Seiten gebannt und in einer Sitzung. Wir als Leser erfahren sehr viel über die Motive und Hintergründe, doch ebenso viel bleibt offen. Was fand Victor in der Kammer hinter dem Bücherregal, sind die Anderen wirklich von den Toten auferstanden, ist Claire wahnsinnig/verrückt, was ist der Schatten, der Capsar aus Afrika mitnahm und die wohl wichtigste Frage, die sich erst in der letzten Passage stellt, wer schreibt dieses Buch?

 

Mirko Beetschen schreibt in dem Vorwort, die Autorenschaft sei klar, doch für mich gibt es keine abschliessende Erklärung.

 

Im letzten Satz steht:

 

 

 

«Wir sind zu Hause», flüsterte ich, und meine Schwester (gemeint ist hier Eleanor) lächelte.

 

 

 

Dieser letzte Satz warf mich völlig aus der Bahn, denn die Ich-Perspektive wurde vorher noch nie gebraucht. In Anbetracht der Umstände kann mit «ich» nur Eleanors angeblich eingebildete Schwester Violet gemeint sein. Doch dies geht eigentlich nicht auf und die einzige Person, die am Ende noch lebte ist Claire, welche wennschon Eleanors Tante wäre und nicht ihre Schwester. Vielleicht las ich auch einfach nicht aufmerksam genug oder vergass einige wichtige Details wieder.

 

 

 

Somit weiss ich nicht was ich vom Ende halten soll. Einerseits gefällt mir das Ende, mit einigen offenen Fragen, auf der anderen Seite hätte ich gerne die Antworten dazu. Das Ende ist so geschrieben, dass sich der Leser nicht viel selbst denken kann. Das Ende muss so akzeptiert werden, wie es ist.

 

 

 

Nun noch zu der Frage, weshalb Bel Veder für mich kein Gruselroman im herkömmlichen Sinne ist. Die Antwort dazu ist eigentlich ganz einfach. Für mich fehlen dazu die Gruselelemente. Klar gibt es einige Passagen, die auch mir unheimlich vorkamen. Zum Beispiel die Szene, als Eleanor von dem alten Mann zum Hotel verfolgt wird. Jedoch sind solche Szenen selten, was dazu führt, dass der Leser keine Erwartungshaltung entwickelt, dass jederzeit etwas passieren könnte. Erst gegen Ende des Romans wird der «Gruselfaktor» erhöht und die Atmosphäre erschien mir wirklich unheimlich.

 

 

 

Nichtsdestotrotz war Bel Veder eine spannende Lektüre, die mir viel Spass bereitete. Die Charaktere sind liebevoll beschrieben und scheinen sehr realistisch in ihren Eigenschaften. Die Szenerie ist klug gewählt und die Beschreibungen des Lebens um 1946 sind spannend. Einzig Mirko Beetschens Schreibstil lässt für mich noch etwas zu wünschen übrig. Ab und zu stolperte ich über einige Wörter oder musst gar ganze Passagen nochmals lesen, um den Sinn zu verstehen.

 

 

 

Letztlich noch zu meiner Empfehlung. Das Buch stellt für mich eine gute Mischung aus einer Gruselgeschichte und einem «historischen» Roman dar. Wenn es dir nichts ausmacht, dass sich im Roman Elemente aus der Gruselliteratur finden, oder wenn es dir nichts ausmacht, dass es nicht sehr gruselig ist, dann ist der Roman für dich. Ein definitiv gelungenes Buch, dass viele Geheimnisse bis zum Schluss und darüber hinaus für sich behält.

 

 

fls

 


Comments: 0
Logo, The Books I Read

Thanks for visiting!

If you have any criticism or feedback, please contact me via my contact form:

Also make sure to check out my Twitter: